„Auf den Spuren des Stammes“ – Stammeswochenende 2018

 

Als ich am Freitag in der Gegend um Rothmannthal spazieren war, trug sich etwas seltsames zu: Ich lief gerade am Pfadfinderzentrum vorbei, wo heute scheinbar eine neue Gruppe ankam. Doch alle Kinder und auch die Erwachsenen waren ganz aufgeregt. Einer der Leiter hatte scheinbar eine Art Geld-Maschine entdeckt, mit der man unendlichen Reichtum erlangen konnte.

Aus den Gesprächen vernahm ich aber, dass diese Maschine scheinbar noch nicht genug Energie hatte und deshalb die Kinder aufgefordert wurden, alle ihre elektronischen Geräteschaften in die Geld-Maschine zu legen, um diese aufzuladen.

Gerade als der Letzte sein Handy in die Maschine legte, machte es plötzlich ein lautes „Blopp“. Scheinbar hatte das Aufladen der Maschine funktioniert. Doch halt! Wo waren plötzlich alle Menschen hin, die gerade noch vor dem Haus standen? Ich trat etwas näher und inspizierte die Maschine. Bei genauere Betrachtung konnte ich erkennen, dass der Aufdruck „Geld-Maschine“ scheinbar nur aufgeklebt war. Darunter stand mit großen Buchstaben „Zeit-Maschine“! Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben…

Aus der Chronik des Stammes St. Vitus Hirschaid (wie es sich am Wochenende des 16. – 18.11. zugetragen hat):

1949:

Eugen Schumm wollte gerne einen Pfadfinderstamm in Hirschaid gründen. Seinen Bruder und einen Freund hatte er schon überzeugt, mit ihm eine Sippe zu leiten, allerdings fanden sich in Hirschaid wohl nicht genug Kinder, die bereit waren mitzumachen.

Doch wie es der Zufall wollte sahen die drei plötzlich eine große Gruppe von merkwürdig gekleideten Kindern, von der sie schwören konnten, dass diese gerade noch nicht dort gestanden hatten. Auch wenn es dieser Gruppe noch etwas an Disziplin mangelte, waren sie dennoch bereit der ersten Pfadfindergruppe in Hirschaid beizutreten.

Ein Problem gab es allerdings noch: Sie hatten keinerlei Material, welches sie für ihren Stamm brauchen würden. Insbesondere fehlten ein Stammesbuch, ein DPSG-Banner, sowie Bannerschaft und -spitze. Die Kinder bekamen von Eugen Schumm die Aufgabe, diese zu finden, damit der Stamm gegründet werden konnten.

Nachdem die Kinder verschiedene Aufgaben gelöst hatten und alle Gegenstände besorgt hatten, fand die feierliche Gründungsversammlung, das 1. Stammesthing, statt, bei dem unter anderem ein Stammesfeldmeister gewählt wurde (natürlich durften nur die erwachsenen Männer abstimmen – Frauen durften in der DPSG sowieso noch nicht mitmachen).

Nachdem dieser Kraftakt geschafft war, trafen sich die Grüpplinge in ihren Altersstufen und ließen dort den Abend ausklingen. Sie begaben sich jedoch relative früh ins Bett, denn am nächsten Morgen wurde um 7 Uhr geweckt.

1950 – 1953:

Es stand ein Waldlauf zum Munterwerden auf dem Programm. Anschließend fand der Morgenappell mit dem feierlichen Hissen des neues Stammesbanners statt, bevor sich die Grüpplinge zu einem kärglichen Frühstück (nach dem Krieg hatte man ja nichts) begeben durften.

1954 – 1969:

Zum 5-jährigen Jubiläum des Stammes St. Vitus Hirschaid wurde ein Liliput-Jamboree mit einer Sippenstafette veranstaltet. Die Kleingruppen mussten dabei verschiedene Aufgaben, wie das KIM-Spiel, Morsen, Feuer machen und das Bestimmen von Pflanzen lösen. Zur Belohnung gab es ein leckeres Mittagessen.

1970 – 1973:

Nach dem Essen fanden die Kinder plötzlich einen Brief vom Stammesfeldmeister: Die Jungpfadfinder hätten sich nicht ordentlich benommen und die Leiter hätten nun keine Lust mehr. Der Stamm würde geschlossen. Die Grüpplinge müssten sich etwas überlegen um ihren Leitern eine Freude zu machen, damit diese die Arbeit im Stamm wieder aufnehmen.

Anschließend überlegten sich die Kinder selbstständig (die Leiter waren ja alle gegangen) ein Lied und ein Theaterstück, dass sie ihren Leitern vorführen konnten, um ihnen eine Freude zu machen und somit den Stamm wieder zum Leben zu erwecken.

1974 – 1979:

Das Theaterstück kam bei den Leitern sehr gut an! Es fand eine Stammesversammlung statt, bei der der Stamm wieder gegründet wurde und einige Veränderungen in der DPSG vorgestellt wurden: Es gab eine neue Satzung, eine neue Lilie (und somit auch ein neues Banner), neue Bezeichnungen und es durften endlich auch Frauen mitmachen. Somit wählten wir die erste Stammesvorsitzende, wobei diesmal auch alle Jugendlichen mit abstimmen durften.

1980 – 1989:

Eine Erfindung prägte diese Zeit ganz entscheidend: Die Compact Disc. Alle Kinder waren deshalb ganz wild darauf, die im Wald versteckten CDs zu finden und das der Spielleitung mitzuteilen. Anschließend bekamen sie eine Aufgabe gestellt, die es zu lösen galt, um auf dem Spielplan weiter vorzurücken. Eine ziemlich chaotische Sache!

1990 – 1998:

Das 50-jährige Jubiläum des Stammes St. Vitus Hirschaid rückte so langsam in greifbare Nähe. Da zu diesem Anlass ein großes Fest stattfinden sollte, begannen die Mitglieder sehr zeitig mit der Vorbereitung und bastelten allerlei Dekorationen, die typisch für diese Zeit waren.

1999:

Es war soweit: Nach einer Festrede vom Stammesvorstand feierte der Stamm bei einem großen Festessen sein 50-jähriges Bestehen. Anschließend gab es ein 1, 2 oder 3-Quiz zur bisherigen Stammesgeschichte sowie eine abgefahrene Party mit Spielen wie Tabu, Dosenwerfen oder Twister.

2000-2010:

Bevor die Grüpplinge zum Frühstück durften, mussten sie auf einer ganzen Reihe von Fotos Personen identifizieren, die bis zum Jahr 2018 einmal Leiter werden würden. Wem das gelang, der durfte Essen gehen.

2010 – 2018:

In der jüngsten Zeit beschäftigten sich die Mitglieder des Stammes Hirschaid hauptsächlich mit dem Aufräumen und Putzen von Häusern. Außerdem nahmen sie an einem Gottesdienst teil, in dem Katrin Wiechmann ihr Woodbadge verliehen bekam. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, fahren einige Eltern vor, die scheinbar ihre Kinder abholen wollen…